Meine Geschichte hinter dem "Why?" (Teil 1)

02.10.2016

 

Vor zwölf Jahren lernte ich in München eines Abends in einem kleinen Bistro J. kennen. Er verkaufte die Straßenzeitung BISS (Bürger in sozialen Schwierigkeiten, www.biss-magazin.de), die interessante und sehr persönliche Einblicke in das Leben von Obdachlosen gab. Gleichzeitig ermöglichte der Verkauf ein kleines Einkommen für viele Wohnungslose. Ich kaufte ihm eine Zeitung ab und wir kamen ins Gespräch. J. war obdachlos, Anfang 20, hatte Mittlere Reife und eine abgeschlossene Berufsausbildung. Sein Äußeres war gepflegt und er hatte keine Alkohol- oder Drogenprobleme. Wie war er also in diese Situation geraten?

 

Seine persönliche „Spirale“ nach unten begann zwei Jahre zuvor, als es mit seiner damaligen Freundin kriselte. Sie war ihm sehr wichtig. Er wollte die Beziehung unbedingt retten und telefoniert viel mit ihr – auch während der Arbeitszeit. Seinem Chef wurde es bald zu viel und er kündigte ihm. Plötzlich konnte J. seine Miete und die Raten für ein neues Elektrogerät nicht mehr bezahlen. Er fand keinen neuen Job, sein Schuldenberg wuchs und er verlor seine Wohnung. Ohne festen Wohnsitz war es für J. fast aussichtslos, Arbeit zu finden. Dann trennte sich auch noch seine Freundin von ihm und so landete J. sehr, sehr jung „auf der Platte“, d.h. er war obdachlos. Der Abstieg aus einem ganz „normalen“ Leben ging erschreckend schnell!

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